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Stockholm-Syndrom

Hinweis! Der folgende Artikel ist teilweise subjektiv formuliert. Das ist zwar an sich nichts schlechtes, aber ich finde eben man sollte es kurz anmerken (was jetzt wiederum eine subjektive Formulierung war :-) )

Patty Hearst in ihrer neuen Identität als „Tania“. Eine fanatische Kämpferin der „Symbionesischen Volksbefreiungsarme“. Nicht dass sie dies immer schon werden wollte, aber nach ihrem Kidnapping durch eben jene Gruppe hatte man sie am Ende davon „überzeugt“.

Es gab bisher im Internet nur sehr wenig bis gar keine Artikel die wirklich genau erklären können was das Stockholm-Syndrom ist und wie genau es zustande kommt. Viele Leute verstehen auch nicht warum so etwas wie das „Stockholm-Syndrom“ überhaupt möglich ist. Sie nennen es das „Stockholm-Syndrom“ eben weil sie es nicht verstehen können. Ich verstehe es aufgrund meiner eigenen Erfahrung gut (ich wurde als sehr kleiner Junge von meiner Mutter mißbraucht). Ich erkläre zuerst was das „Stockholm-Syndrom“ ist und dann wie es dazu kommt. In dem ursprünglichen Fall ging es um einige weibliche Bankangestellte einer Bank in Stockholm. Die Bank wurde überfallen und die Angestellten eine Woche lang als Geiseln genommen. Die Situation war sehr angespannt. Vor der Bank stand die Polizei und in der Bank hatten sich die schwer bewaffneten Geiselnehmer mit ihren Geiseln verschanzt. Die Geiseln lebten unter ständiger Angst erschossen zu werden. Nach fast einer Woche, gelang es der Polizei endlich die Geiseln zu befreien und die Geiselnehmer zu verhaften. Aber die Geiseln hatten nun auf einmal alle Angst vor der Polizei und wollten gar nicht befreit werden, sondern weiter bei ihren Geiselnehmern bleiben und keiner der Geiseln wollte Anzeige erstatten und alle sprachen sogar Jahre später, nachdem die Gefahr längst vorbei war, nur positiv über die extrem brutalen Bankräuber und Geiselnehmer die sie fast erschossen hätten und einige heirateten sogar ihre Geiselnehmer.

Niemand konnte dieses Verhalten verstehen und daher kam dann der Begriff „Stockholm-Syndrom“. In George Orwell's Roman „1984“ wird das Stockholm-Syndrom auch sehr gut und genau beschrieben, aber natürlich gab es damals den Begriff noch nicht. Das Stockholm Syndrom tritt auf, wenn man sich unter extrem großer Angst befindet… so groß dass man sogar anfängt um sein Leben zu fürchten. Hilfe zu holen scheint ausweglos oder zumindest ebenfalls mit großen Gefahren verbunden. In einer solchen Situation schaltet man im Gehirn sämtliches normales Denken ab und man wird nur noch von seinem Überlebensinstinkt gesteuert. Viele Täter sind sich dessen bewusst und nutzen diese Situation dann aus. Wenn der Täter in diesem Moment der extremen Angst und Hilflosigkeit, dem Opfer sagt: „mache das und das und dir wird nichts passieren!“ -wird man es tun– um zu Überleben. Aber obwohl man tat was einem gesagt wurde, wird man dennoch bestraft. Vielleicht wird man so stark geschlagen dass man nun erst recht denkt man würde sterben. Man versteht nicht warum, denn man hat doch getan was der Täter von einem wollte. Aber man hat es nur getan weil man dazu gezwungen wurde und nicht weil man es wirklich wollte. Und der Täter weiß, dass sobald er aufhört einen zu bedrohen, man sich sofort wieder gegen ihn richten wird. Deshalb ist das aus Sicht des Täters noch nicht gut genug. Aber man selbst versteht die Welt nicht mehr. Es scheint so als müsste man um sein Leben fürchten -egal was man tut– selbst wenn man tut was von einem verlangt wird. Man verliert also alle Hoffnung und schließt nun mit seinem Leben ab.

Aber vorher will man noch eine Sache wissen: man fragt den Täter warum man halb tot geschlagen wurde OBWOHL man tat was er sagte. Eigentlich hätte man sich gar nicht getraut seinen Peiniger so eine „provokante“ Frage zu stellen. Aber da man nun eh davon ausgeht dass man nicht überleben wird, hat man nichts mehr zu verlieren. Man bekommt zwar höchstwahrscheinlich keine direkte Antwort und es kann sogar sein dass man für so eine „unverschämte“ Frage schon wieder Schläge kassiert, aber man beginnt nun endlich zu ahnen dass es war weil man nur aus Angst so handelte und nicht wirklich davon überzeugt war. Der Überlebensinstinkt setzt nun wieder ein denn jetzt hat man endlich wieder Hoffnung, denn man beginnt zu verstehen was man „falsch“ gemacht hat und wie man sich zu verhalten hat um zu überleben. Dieser Überlebensinstinkt ist stärker als alles andere und so schafft man es sich selbst davon zu überzeugen dass man tatsächlich so denken müsste wie es von einem verlangt wird und dass dies die „richtige“ Denkweise sei. Nach einer Weile verdrängt man dann dass man sich nur aus Angst selbst gezwungen hatte so zu denken, da es zu schmerzhaft ist sich daran zu erinnern (und wer will sich schon gerne eingestehen dass man sich selbst verleugnet hat) und dann fängt man wirklich an so zu denken -bzw. zumindest GLAUBT man dann dass dies wirklich das eigene Denken wäre- bzw. WILL es glauben. Dieses Denken bleibt dann auch nachdem die Gefahr längst vorüber ist, da man es nun für sein eigenes denken hält. Der Täter merkt wenn man so weit ist und ab dem Punkt ist es für ihn nicht mehr nötig einen zu bedrohen, also hört er damit auf und ist nun vielleicht sogar sehr lieb zu einem, was den Effekt beim Opfer noch verstärkt und beim Opfer enorme Dankbarkeit auslöst. Man hatte bereits mit seinem Leben abgeschlossen und es für sicher gehalten dass man nicht überleben wird, aber der Täter ist so nett einen jetzt nicht nur nicht zu töten, sondern er ist jetzt vielleicht auch noch sehr lieb zu einem. Für das Opfer sieht es dann so aus als wenn nie der Täter Schuld an dem Leiden gewesen wäre, sondern das eigene „frühere“, „falsche“ denken Schuld daran gewesen wäre.

Eingang des Masanjia Zwangsarbeitslagers. Am Tor steht: Psychologische Erziehungs-Schule der Provinz Liaoning. An der Mauer steht: Masanjia Arbeitslager der Provinz Liaoning.

Das ganze geht sogar noch einen Schritt weiter. Ich habe vorhin erwähnt dass die Bankangestellten der Bank in Stockholm am Ende ihre Geiselnehmer in Schutz nahmen und stattdessen Angst vor der Polizei hatten. Patty Hearst von der das Foto oben ist, hatte am Ende sogar für ihre Geiselnehmer gekämpft und hat unschuldige Außenstehende (vermeintliche „Klassenfeinde“ ihrer Geiselnehmer) mit ihrer Kalaschnikow bedroht. Warum hat sie dies gemacht? Ich habe vorhin auch erwähnt dass das Opfer am Ende denkt es wäre seine eigene Schuld gewesen dass es geschlagen und misshandelt wurde. Man gibt am Ende also nicht mehr dem Täter die Schuld für das Leiden das man selbst erfahren hat, sondern man gibt sich selbst die Schuld dafür, da man nicht gleich von Anfang an so gedacht hat wie es der Täter verlangte und das Denken des Täters hält man nun für das einzig richtige Denken. Aber Außenstehende Dritte denken natürlich auch nicht so wie der Täter. Folglich denkt das Opfer dass alle Andersdenkenden falsch liegen. Das Opfer WILL auch die Außenstehenden verteufeln. Denn das Opfer gibt sich ja selbst die Schuld. Wenn man stattdessen aber nun die Schuld den Feinden des Täters geben kann, dann kann man sich von dieser Schuld ablenken, deshalb ist es nun sehr leicht für den Täter, das Opfer dazu zu bringen die Feinde des Täters zu hassen und ihnen die Schuld für all das Leiden zu geben. Es ist nun auch sehr schwer diese Art von „Gehirnwäsche“ ungeschehen zu machen, da das Opfer die ganze Sache zweimal verdrängt hat. Das Opfer hat zuerst sich selbst die Schuld für das Leiden gegeben und hat verdrängt dass es Schuld des Täters war. Und da sich selbst die Schuld zu geben aber schmerzhaft für das Opfer ist, hat das Opfer das ganze erneut verdrängt und gibt nun die Schuld den Leuten die nicht so denken wie der Täter - inklusive den Leuten die dem Opfer vielleicht helfen wollen. Deshalb ist es so schwer solchen Leuten zu helfen, da sie einen sofort misstrauen und einen selbst für den „bösen Täter“ halten, sobald man versucht ihnen zu helfen und anderer Meinung ist als der eigentliche Täter.

Ich habe hier auch ein paar Artikel über China und über die Menschenrechte dort geschrieben und habe daher auch bereits etwas über das System der Zwangsarbeitslager dort geschrieben. In China gibt es nicht nur Arbeitslager, sondern „Umerziehungslager“. Sie heißen ganz offiziell „Umerziehungslager“. Sie sind dazu da Leute die nicht so denken wie die Kommunistische Partei das gerne hätte „umzuerziehen“. Die dort verwendeten Methoden sind ebenfalls die, die ich gerade beschrieben habe. Das ist es was sie als „Umerziehung“ bezeichnen. Man kann es natürlich auch einfach als „Gehirnwäsche“ bezeichnen. Meistens wenn die Leute von „wirklicher“ „Gehirnwäsche“ sprechen, ist es das was sie meinen. Wirkliche „Gehirnwäsche“ erfordert es also dem Opfer mit dem Leben zu drohen.

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